Unterwegs mit der Ilala
An Bord gegangen bin ich in Nkhata Bay, einem kleinen Fischerdorf im Norden des Landes, und schon allein der Trubel rund um das Schiff ist eine Reise wert. Einen Tag bevor die alte Dame, die Anfang der 50er in Schottland gebaut wurde, in den „Hafen“ einläuft, kommt gefühlt die gesamte Region zusammen.
Es sind Markttage. Am Rande der Zufahrtstraße zum Hafen haben sich mehrheitlich Frauen niedergelassen. Auf den Decken, die sie auf dem Boden ausgebreitet haben, verkaufen sie, was in Malawi begehrt ist. Second Hand Klamotten, Flipflops und getrockneten Fisch. Das Obst- und Gemüseangebot ist trotz der tropischen Bedingungen im Vergleich zu Malawi´ss Nachbarland Tansania eher bescheiden. Es gibt Tomaten, Zwiebeln und Avocado. Vor allem aber Tomaten und Zwiebeln...Mein Favorit, wenn auch auch sicher kein kulinarisches Highlight, sind die malawischen Donnas. Frittierter süßer Teig. Quasi Pfannkuchen ohne Füllung und Zucker. Ein Donna kostet 5 Cent. Da hab ich gleich mehrere mit an Bord genommen.
Ähnlich wie der Markt, so sind auch das Beladen und, wie ich später feststellen durfte, auch das Entladen ein großes Schauspiel. Weil die Ilala vor zwei Inseln im See hält und an zwei drei weiteren Ort, die nicht mit Autos angefahren werden können, ist das Schiff die einzige Verbindung zur Außenwelt. Zement, Cola, Mehl, Zucker und Gießkannen (!), alles kommt mit und wird von kräftigen Männern an Bord transportiert. Aber auch Frauen packen mit an. Auf ihren Köpfen balancieren sie riesige Bananenstauden, unter dem Arm ein Bündel Klamotten und dazu ein Kind mit einem Tuch auf den Rücken gebunden. Beeindruckend! Da kam ich mit mit meinen Rucksäcken fast underdressed vor...
Die Ilala hat neben dem Maschinenraum drei Decks. Im Untersten befindet sich die zweite Klasse - harte Metallbänke auf die sich die Passagiere zwischen Mehlsäcken und Kisten gezwängt haben. Darüber kommen die zwei Decks der ersten Klasse samt Kabinen, Sonnendeck und Bar. Ganz charmant. Auch wenn die Ausstattung bessere Zeiten gesehen hat und auf dem Sonnendeck auch Ratten unterwegs sind. Und trotzdem bin ich ein großer Fan der Ilala. Mit maximal 13 km/h auf einem der schönsten Seen Afrikas (so heißt es) unterwegs zu sein und dabei gleichzeitig den malawischen Alltag rund um und auf dem See erleben zu können, das hat was.
Nachahmer seien allerdings gewarnt. Während der zweitägigen Reise habe ich ein ordentliches Schlafdefizit aufgebaut. Die Ilala ist kein ruhiges Kreuzfahrtschiff mit leiser Fahrstuhlmusik, sondern vielmehr ein Transporter. Das durfte ich gleich mehrfach lernen. Immer dann, wenn mitten in der Nacht das Beiboot vor meiner Kabine unter lauten Kommandos heruntergelassen wurde, und dann mit Kisten und Kartons und Passagieren beladen Richtung Ufer gefahren ist, um Minuten später mit wild durcheinander schreienden neuen Passagieren vom Festland wieder zurückzukehren. Aber auch das konnte ich bereits beim zweiten Durchgang genießen. Wie gesagt, lieber mit 13 km/h auf dem sonnigen Oberdeck, als mit 100 km/h und einem lebensmüden Fahrer im völlig überladenen Minibus.
Eingestellt am 27 Mrz, 2010, um 11:27 Uhr von Jörg Poppendieck in unterwegs | Kommentare[0]





