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Programm-Tipp

Mittwoch Apr 28, 2010

Namibia - Meine Überraschung

Es war zwei Uhr nachts als ich in der namibischen Kleinstadt ankam. Keine Menschenseele war zu dieser Uhrzeit mehr unterwegs, die Bürgersteige (dass es welche gab, war übrigens auch eine Überraschung) längst hochgeklappt. Allein Monica, die Chefin des Backpackers, wartete in ihrem kleinen Golf (!) auf mich, um mich in die Unterkunft zu fahren. Was ich während der Fahrt durch die Stadt sah, erstaunte mich. Gut, die Palmen und der Stacheldraht auf den Mauern passten nicht ganz ins Bild, aber ich hätte durchaus auch in einer deutschen Kleinstadt sein können.

Ich bin ein großer Freund von Supermärkten. In meinen Augen sind sie ein Stück Alltagskultur eines jeden Landes oder einer Region. Meine erste Mission in einem neuen Land ist deshalb ein Gang in einen Supermarkt. So auch in Tsumeb. Eine große Halle samt zahlreicher gut gefüllter Regale. So weit keine große Überraschung, mal von der Tatsache abgesehen, dass so gut wie keines der Produkte aus Namibia kommt, sondern alles aus dem Nachbarland Südafrika importiert wurde. Dementsprechend teuer war es dann auch. Die eigentliche Überraschung allerdings erwartete mich im letzten Regal kurz vor den Kassen. Ich traute meinen Augen kaum, als ich das Schild „Deutsche Ecke“ sah. Nicht, dass ich deutsche Erbsensuppe, Linsen oder Pumpernickel vermisst habe in den vergangenen Wochen, aber hier hätte ich all das kaufen können. Die Krönung (die hätte ich natürlich auf kaufen können) allerdings in meinen Augen war die deutsche Fahne, die über dem Regal angebracht wurde. Ich will ehrlich sein. Der Anblick des Regals und der Fahne lösten bei mir gemischte Gefühle aus. Früher als erwartet wurde ich mit Deutschland konfrontiert.  

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Natürlich ist es mir gelungen, mich an den namibisch-deutschen Alltag zu gewöhnen. Mittlerweile frage ich sogar am Telefon, ob wir das Gespräch auch auf deutsch führen können. Und trotzdem hielt das Land nach wenigen Tagen noch eine weitere Überraschung für mich bereit. Eine Steigerung zu dem bisher erlebten. Swakopmund. Ein Kleinstadt am Atlantik.

„Wie eine Stadt an der Ostsee“ schoss es mir durch den Kopf, als ich die Straßen und Häuser sah. Alles war sauber und aufgeräumt. Über die Gehwege flanierten deutsche Rentner, die hier ihren Lebensabend verbringen. In den Geschäften wird selbstverständlich deutsch gesprochen. Und das Angebot ist, wie sollte es anders sein, eine Reaktion auf die Nachfrage. In den Cafés in Swakopmund wird daher Schwarzwälderkirschtorte und gedeckter Apfelkuchen verkauft, in den Restaurants Eisbein und Schnitzel. Swakopmund ist eine Art Rentermallorca. Noch bin ich nicht so weit.

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