Meine Premiere in Soccer City, Soweto!
Drei Stunden zuvor habe ich mich mit Johannesburger Freunden zusammen im Auto auf den Weg in Richtung Soweto gemacht, in Richtung Stadion. Für südafrikanische Verhältnisse sind wir überpünktlich, wie mir Nick sagt, als wir auf kleinen Nebenstraßen versuchen, dem Berufsverkehr aus dem Weg zu gehen. Mit Erfolg. Wir kommen gut voran und ich bin guter Dinge, im Stadion noch vor Anpfiff etwas zu Essen zu kaufen und vielleicht noch einen Fanschal. Es ist Winter in Südafrika und für die Nacht sind 5 Grad vorausgesagt! Von dieser Idee jedoch habe ich mich anderthalb Stunden vor Spielbeginn verabschiedet. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir das hell erleuchtet Soccer City Stadion schon sehen. Allein wir steckten fest. Stau. Nichts ging mehr. Lediglich alle zehn Minuten schob sich die Fussballkarawane für einige Meter in Richtung Stadion. Mehr nicht. In Deutschland wäre das jetzt die Stunde der Choleriker gewesen, die wütend aufs Lenkrad trommeln und die durch ständige Spurwechsel versuchen, Meter gut zu machen. Nicht so in Südafrika. Die Stimmung im Stau war gelöst. Alle hatten die Fenster runtergekurbelt, die Radios lauter gedreht, und um die Autos herum tanzten Kinder und Jugendliche, die dazu in ihre Vuvuzelas bliesen. Das Willkommenskommitee Sowetos. Unglaublich. Am Straßenrand standen Mütter, die ihre Kinder extra aus dem Bett geholt hatten. Und so standen sie da im Schlafanzug und winkten den Fussballfans, die auf dem Weg ins Stadion waren. Das nenn ich Fussballbegeisterung.
Es war kurz nach acht, als wir das Auto verließen. Noch dreißig Minuten bis zum Anpfiff. Nicht viel Zeit, wenn zehntausende Fussballfans sich gleichzeitig auf den Weg in Richtung Einlasstore machen. Das größte Hindernis auf dem Weg dorthin war ein schmale Fußgängerbrücke, die über ein Straße führt. Grundsätzlich eine clevere Idee. Wer will schon freudetrunkene Fussballfans, die über den Highway stolpern. Allerdings scheint der Architekt kein Fussballfan zu sein, oder ihm fehlt schlicht die Phantasie. Mit knapp zwei Metern ist die Brücke jedenfalls viel zu schmal. Sie ist ein Nadelöhr auf dem Weg ins Stadion. Ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn auf der Brücke Panik ausbricht. Ähnlich groß wie auf der Brücke war dann das Gedränge vor dem ersten Sicherheitsring um das Stadion herum, der Ort für den Sicherheitscheck. Der fiel in meinen Augen zu schlampig aus, aber es war mir in dem Moment egal. Hätten sie richtig gecheckt, stünde ich jetzt vermutlich immer noch in der Schlange. Der eigentliche Einlass ins Stadion erfolgt über Drehtüren. Man steckt sein Ticket in einen kleinen Kasten. Mit etwas Glück leuchtet dann ein grünes Licht und dem Einlass ins Stadion steht nichts mehr im Weg. Als ich diese letzte Hürde passiert habe, sind es noch sieben Minuten bis zum Anpfiff und ich höre riesigen Jubel. Vermutlich laufen gerade die Mannschaften aufs Feld, schießt es mir durch den Kopf! Eile ist also geboten. Allein ich sitze auf dem Oberrang und die Dimensionen des Stadions sind unglaublich. Die letzten Meter bis zu meinem Sitzplatz legen ich deshalb im Laufschritt zurück. Schnaufend schleppe ich mich die serpentinenartigen Gänge hoch auf der Suche nach meinem Block. Als ich die letzten Treppen hoch in den Block laufe und das erste mal einen Blick in das Innere dieser Arena werfe, schwöre ich mir, beim nächsten Mal noch früher aufzubrechen. Als dann die Nationalhymnen gespielt werden, bin ich froh, dass nicht die deutsche Hymne gespielt wird. Zum Singen hätte ich schlicht keine Luft mehr gehabt.

Eingestellt am 29 Mai, 2010, um 12:38 Uhr von Jörg Poppendieck in unterwegs | Kommentare[1]






gruß rüdiger (meschede/ litauen/ lettland 1997 - 1999)
Gesendet von r.s. am Juni 06, 2010 at 05:25 PM MESZ #