Besuch beim Patenkind
Zusammen mit der Hilfsorganisation, der ich monatlich Geld überweise, bin ich in das Dorf von Thembozawo gefahren. Mit einem Allradwagen, denn der Weg zu Thembo, wie sie Freunde nennen, führt durch Maisfelder und über staubige Pisten, gezeichnet von der mehr als dreimonatigen Regenzeit. Als ich aus dem Auto gestiegen bin, wurde ich von singenden und tanzenden Frauen begrüßt, die mir alle die Hand geschüttelt haben, danach kamen die Männer. Und auch sie schüttelten mir einer nach dem anderen die Hand. Was für ein Empfang. Zu guterletzt wurde mir Thembo dann endlich vorgestellt. In ihrem gelben Sonntagskleid, schwarzen Lackschuhen und mit einer Kette herausgeputzt, stand sie vor mir und traute kam mich anzuschauen. Keine leichte Situation - für uns beide. Thembo spricht kein english und ich kein chichewa. Also haben wir uns erst einmal einfach nur angelächelt und uns die Hand geschüttelt.
Familie Mbale hatte zusammen mit der Hilfsorganisation meinen Besuch generalstabsmäßig vorbereitet. Der erste Besuch, wie ich mir habe erzählen lassen, den das Dorf überhaupt gesehen hat. Dementsprechend groß waren die Augen der vielen kleinen Kinder als sie mich sahen. Leider bleib es nicht beim Staunen. Zwei von ihnen waren aufgrund meiner Hautfarbe so verängstigt, dass sie laut plärrend zu ihren Mütter gerannt sind.
Unter einem Sonnenschutz aus Stroh standen zahlreiche Stühle und sogar ein kleiner Tisch samt Tischdecke und Blumen. Mich erinnerte das alles an einen Präsidentenempfang. Nur die Parade fehlte, die ich hätte abnehmen können.
Nachdem die Familie von Thembo und ich also im Schatten Platz genommen hatten, war es Zeit für ein paar Reden. In chichewa natürlich, denn auf dem Land spricht kaum jemand englisch. Für mich gab es deshalb einen Übersetzer. Und der hatte gut zu tun. Es sprach jemand von der Hilfsorganisation, ein Sozialarbeiter der Region, der Dorfvorsteher, der Vater von Thembo und zu guter letzt dann auch ich. Was für ein Gefühl. Da stand ich also plötzlich auf einem staubigen Platz in einem malawischen Dorf umgeben von einfachen Häusern aus Stein, noch einfacheren Holzhütten, über mir die brennende Sonne Afrikas und mehr als 40 Augenpaare verfolgten jeden meiner Schritte und lauschten den Worten des Übersetzers. Ich glaube, ich habe meine Sache so schlecht nicht gemacht, denn am Ende gab es Applaus und bei einem in meine Rede eingebauten Witz, wurde sogar gelacht. Ich hoffe nicht aus Mitleid...
Als der offizielle Teil vorbei war, habe ich dann das Haus von Thembo und ihrer Familie besichtigt. Weiße Wände aus Stein, das Dach aus Stroh, ein kleiner Tisch und Strohmatten auf dem Boden. Der bescheidene Besitz der Familie Mbale. Kein Schnickschnack, kein Strom und auch kein Wasser. Die nächste Wasserpumpe ist zwei Kilometer weit entfernt, was auf dem Land in Malawi nur selten der Fall ist. Es war einer dieser Momente in denen man merkt, wie gut es einem geht, in welchem Luxus man lebt, und das die eigenen Probleme tatsächlich meist Luxusprobleme sind.
Als Gast von Familie Mbala wurde ich anschließend auch zum Mittagessen eingeladen. Es gab Hühnchen, mit Nsima, Bohnen und Kürbisblätter. Lecker war´s. Nur das Besteck fehlte mir. Danach war es Zeit für die Geschenkeübergabe. Und da endlich taute Thembo dann auf. Nach einem Tipp der Hilfsorganisation hatte ich in der Stadt vor allem Dinge des täglichen Bedarfs mitgebracht. Öl, Reis, Seife und Waschpulver. Und für Thembo am allerwichtigsten: Süßigkeiten. Und dann war ich dran. Als ich aus dem Augenwinkel sah, was da für mich herangeschleppt wurde, traute ich meinen Augen kaum. Lydia und Godfrey, die Eltern von Thembo trugen eine Ziege und Thembo hielt zwei Hühner im Arm. Meine Geschenke, wie sich nach einer Minute herausstellte. Ich war ehrlich überrascht. Ich hatte mit vielem gerechnet während meines Besuchs. Nur nicht am Ende mit einer Ziege und zwei Hühnern dazustehen.
Für einen Moment überlegte ich tatsächlich, wie es wohl wäre zur WM mit einer Ziege und zwei Hühnern zu reisen. Es war ein kurzer Moment. Ein sehr kurzer. Ich akzeptierte das Geschenk, bedankte mich und schenkte dann die Ziege in einem diplomatischen Drahtseilakt zurück. Ich schenkte sie nämlich Thembo mit der Bitte an die Eltern, den Bock gegen eine weibliche Ziege auszutauschen, damit ich bei meinen künftigen Besuchen Thembo´s eigene kleine Ziegenherde bewundern kann. Das kam gut an. Und es ist mir durchaus ernst. Ich würde Thembo wirklich gern wieder sehen. Bis dahin habe ich dann auch ein paar Brocken Chichewa drauf.
Eingestellt am 04 Apr, 2010, um 12:41 Uhr von Jörg Poppendieck in unterwegs | Kommentare[2]






Beste Grüße
Sabine
Gesendet von Sabine Schmidt am April 20, 2010 at 11:06 PM MESZ #
Gesendet von Jörg Poppendieck am April 29, 2010 at 10:39 PM MESZ #