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  • Donnerstag, 05. Februar 2009

    Berlinale 2009 – Das Globalisierungsfest

    Schon vor Jahren verzichtete man im gedruckten Berlinale-Programm, während des Festivals so etwas wie eine dünne, aber unentbehrliche Bibel der Übersicht, auf die Angaben zu den Produktionsländern. Lediglich die Sprache der Dialoge wird vermerkt, doch die Herkunft bleibt offen, denn in vielen Fällen würde das zu unüberwindlichen Schwierigkeiten führen.

    Geld fließt aus unterschiedlichen Ländern und Fördertöpfen in die Projekte, gemischte Teams drehen gemeinsam, auch große internationale Festivals finanzieren inzwischen Filme. Die Globalisierung hat das Kino längst erfasst und zwar nicht nur im ohnehin internationalisierten Mainstream-Geschäft, sondern auch in allen anderen Bereichen. Durch die Berlinale, die sich immer als glitzerndes Festival, aber eben auch als Seismograph für aktuelle Entwicklungen sah, zieht sich dieser rote Faden in diesem Jahr besonders deutlich.

    Es werden politische Filmfestspiele
    Gleich der Eröffnungsfilm schlägt dieses zentrale Thema der politischen Berlinale an. Der Thriller “The International” läuft außerhalb der Konkurrenz und bringt Stars wie Clive Owen und Naomi Watts nach Berlin. Sie ermitteln als Film-Detektive auf der verbrecherischen Spur des Geldes im Netz einer allmächtigen Bank. Noch vor kurzem hätte das vielleicht abstrakt geklungen, heute können wir uns durchaus etwas darunter vorstellen. Die Platzierung des Films an den Beginn der Berlinale ist ein großer Triumph für den Berliner Regisseur und Filmenthusiasten Tom Tykwer, der 2002 schon im Wettbewerb vertreten war - mit “Heaven”.

    Der dänischen Regisseurin Annette K. Oleson geht es in ihrem vierten Spielfilm „Little Soldier“ nicht um die wirtschaftlichen, sondern um die psychologischen Folgen einer globalisierten Welt, in der die politischen und militärischen Konflikte grenzüberschreitende Wirkungen entfalten. Typisch für die Filme in ihrem Heimatland reagiert auch „Little Soldier“ sehr genau auf gesellschaftliche Verwerfungen: Nach einem Auslandseinsatz kehrt die junge Soldatin Lotte verstört nach Hause zurück. Man sieht dieser Frau, die als idealistische Weltverbesserin los zog, die schrecklichen Erfahrungen geradezu an, sie muss nicht reden, ihr Körper, ihre Haltung sprechen Bände. Die Regisseurin war bereits dreimal zu Gast bei der Berlinale, international bekannt wurde sie mit “Kleine Missgeschicke” , der 2002 im Wettbewerb zu sehen war.

    Alle Sektionen sind verzahnt
    Die Berlinale zeichnet sich, bei aller Dichte und Programmfülle, durch eine sorgsame Verzahnung der einzelnen Sektionen aus, der rote Globalisierungs-Faden ist also auch in den Nebenreihen deutlich sichtbar, dort vor allem in den dokumentarischen Erkundungen.

    Der monumentale, fast dreistündige Film “Encirclement” (Forum)versucht mit prominenten Globalisierungskritikern wie Noam Chomsky hinter den ideologischen Rauchvorhang des “freien Marktes” zu sehen und den Einfluss der Wirtschaft auf demokratische Prozesse zu analysieren.
    Im Panorama schildert Michael Winterbottom mit seinem Film “The Shock Doctrine” eindrucksvoll die verheerenden weltweiten Wirkungen neoliberaler Ross-Kuren auf die nationalen Volkswirtschaften. “Coyote”, in der selben Berlinale-Sektion, folgt illegalen Einwanderern auf ihrem Weg in die USA und zeichnet sehr persönliche Porträts dieser wagemutigen Menschen.

    Grundwidersprüche der Globalisierung
    Und nur konsequent ist es, dass auch der Abschlussfilm der Berlinale “Eden is West” (außer Konkurrenz) von Menschen erzählt, die hoffen, im Westen ihr Glück machen zu können. Costa-Gavras, der Meister des Politthrillers, hat seit 40 Jahren zum ersten Mal wieder in Griechenland gearbeitet. Sein Held Elias ist ein moderner Odysseus, ein illegaler Einwanderer aus Afrika, den die uralte Sehnsucht nach einem besseren Leben nach Europa bringt, wo er viele merkwürdige Situationen und Schwierigkeiten durchzustehen hat.

    Costa-Gavras, im vergangenen Jahr Jurypräsident der Berlinale, macht mit diesem Film einen Grundwiderspruch der Globalisierung sichtbar: Während sich Geld, - und Warenströme ungehindert über die Welt ergießen, werden vor vielen Menschen unüberwindliche Barrieren aufgerichtet.

    Knut Elstermann

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