If I Want To Whistle, I Whistle

Um es mit den Ärzten zu sagen: Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe, Deine Springerstiefel sehen sich nach Zärtichkeit – was im Song Sarkasmus ist, ist hier die Realität: Ein harter Kerl, Skinhead-Häftlingsrasur, muskelbepackt, 18 Jahre alt, sitzt seine letzten Tage im Jugendknast ab. Weil die anderen wissen: Der darf sich nichts mehr leisten, sonst bleibt er drin, die Haftzeit wird verlängert, schikanieren sie ihn – mit Gewalt und Sex.
Plötzlich taucht seine Mutter auf: nach 8 Jahren, die sie in Italien war – sie will den kleinen Bruder mitnehmen, zurück in den Süden. Das hat sie mit dem Grossen auch gemacht: Doch wann immer sie nen neuen Lover hatte, hat sie das Kind zurückgeschickt nach Rumänien. „Du bist eine Hure,“ sagt er heute: Und will verhindern, dass sie nun auch das Leben des Kleinen ruiniert. Wir ahnen: Das geht nicht gut aus. Denn um seinen Bruder zu retten, muss der Große raus aus dem Knast. Das ist rauh gefilmt, grob pixelig, aber sehr überzeugend, nicht weit weg vom Dokudrama – und am Ende steckt man als Zuschauer im Dilemma: Können wir Gewalt und Kidnapping gutheißen, weil der Verbrecher moralisch im Recht ist?
Stephan Karkowsky
Eingestellt am Samstag, 13. Februar 2010, um 15:05 Uhr von radioeins in News |




