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Das Berlinale-Radio

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  • Mittwoch, 10. Februar 2010

    Die Party kann beginnen

    Wie könnte es anders sein: Das Berlinale-Programm wird im 60. Jahr der Filmfestspiele von der Aura der Filmgeschichte umgeben sein. In der Reihe "Play-it-again" werden filmische Höhepunkte der vergangenen sechs Jahrzehnte noch einmal zu sehen sein. Die nach der aufwändigen Restaurierung nun fast vollständige Fassung des Stummfilm-Klassikers "Metropolis" erlebt ihre Uraufführung und auch ein Dokumentarfilm über die Festival-Geschichte wird seine Premiere in Berlin feiern: "Die Spur der Bären".

    Große Persönlichkeiten, die bleibende Spuren hinterlassen haben, werden mit Ehrenbären belohnt, sorgsam paritätisch verteilt. Der gefeierten Fassbinder-Schauspielerin Hanna Schygulla aus der alten Bundesrepublik ist eine Hommage gewidmet, ebenso wie dem glänzenden Drehbuchautor aus der DDR, Wolfgang Kohlhaase. Ein besonderes Bonbon bieten die Festivalmacher den Besuchern des Wettbewerbs. Vor jedem Film gibt es kleine, liebevoll geschnittene Einspieler mit Raritäten aus der Festivalgeschichte und der Berichterstattung darüber: bewegende, glanzvolle, aber auch komische Momente.

    Es spricht für die Publikumsfreundlichkeit der Berlinale, dass nicht einfach eine festliche Gala die andere jagt. Stattdessen haben die Filmfestspiele der ganzen Stadt ein Geschenk gemacht: Wichtige Filme laufen diesmal nicht nur in den großen, gewohnten Festival-Filmtheatern, sondern auch in den kleinen Kiezkinos, die sich täglich mit vielen Schwierigkeiten und der harten Konkurrenz durch die Multiplexe herumzuschlagen haben. Doch bei allen Festlichkeiten, Ehrungen und Retrospektiven wird dies auch ein ganz normales Filmfestival sein, dass seinem Anspruch, zu den wichtigsten der Welt zu gehören, gewissermaßen im Alltag des Wettbewerbs und der Nebenreihen gerecht werden muss. Mit einigen großen Namen kann der Wettbewerb, das Kernstück des Berlinale-Programms, aufwarten. Und viele von ihnen sind eng mit der Festivalgeschichte verbunden: Roman Polanskis Polit-Thriller "Der Ghostwriter" mit Pierce Brosnan und Ewan McGregor läuft in der Konkurrenz. Polanski erhielt 1966 einen Goldenen Bären für "Wenn Katelbach kommt".

    Der internationale Aufstieg von Zhang Yimou, heute der berühmteste Regisseur Chinas, begann in Berlin, als er 1988 den Goldenen Bären für "Das rote Kornfeld" gewann. In diesem Jahr kommt er mit seinem neuen Film "A Women, A Gun and A Noodlesoup" zur Berlinale. Auch in der Jury sitzt übrigens ein Künstler, der schon Berlinale-Ruhm erlangte. Präsident Werner Herzog erhielt gleich für sein Debüt "Lebenszeichen" den Silbernen Bären für den besten Nachwuchsfilm 1968.

    Neben diesen Regie-Stars vermochte es die Berlinale aber auch, junge Talente an sich zu binden und damit zu einer Bühne des Nachwuchses zu werden. Der chinesische Regisseur Wang Quan’an, einer der bedeutendsten chinesischen Autorenfilmer der jüngeren Generation, wurde 2007 für seinen Film "Tuyas Hochzeit" mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet. In diesem Jahr eröffnet er sogar die Filmfestspiele. "Apart together" erzählt die Geschichte einer großen Liebe und schildert zugleich die Tragödie eines geteilten Landes.

    Auch Jasmila Zbanic aus Bosnien gewann schon einen Goldenen Bären, 2006 für "Esmas Geheimnis". Jetzt kehrt sie mit "On the Path" nach Berlin zurück. Sie erzählt von einem muslimischen Paar. Während der Mann durch seine Arbeitslosigkeit sich immer mehr radikalisiert, versucht die Frau, die Normalität ihrer Ehe zu wahren. Damit schlägt die Regisseurin ein wichtiges Thema dieser traditionsgemäß sehr politischen Filmfestspiele an: die zunehmende Islamisierung. Davon berichtet auch der deutsche Beitrag "Shahada", das Debüt von Burhan Qurbani, der als Kind afghanischer Eltern in Deutschland aufwuchs. Der Episodenfilm spielt während des Fastenmonats Ramadan und erzählt von drei jungen Muslimen in Deutschland, die in schwere Krisen geraten.

    Das Nachdenken über die Lebens- und Gedankenwelt von Moslems zieht sich auch durch andere, überaus vielfältige Sektionen wie Forum (hier herausragend: "Leben in Gaza") und Panorama, das mit "Budrus" einen bemerkenswerten Film über die Grenzziehungen und ihre Auswirkungen im Nahen Osten zeigt.

    Besonders eindrucksvoll präsentieren sich in diesem Jahr die Sektionen Generationen und Kplus, also das Programm für Kinder und Jugendliche, in dem es so viele problembewusste, formal spannende und sehr berührende Filme gibt, dass man Erwachsenen nur raten kann, möglichst viel dort zu sehen. Der Eröffnungsfilm der Generationen "Road Movie" aus Indien beschreibt ein rollendes Filmtheater, das Träume in entlegene Winkel bringt. Es ist somit eine schöne Hommage an das Kino überhaupt – wie passend zum großen Fest in Berlin.

    Knut Elstermann

     

     

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