Die Party kann beginnen
Wie könnte es anders sein: Das Berlinale-Programm wird im 60. Jahr der Filmfestspiele von der Aura der Filmgeschichte umgeben sein. In der Reihe "Play-it-again" werden filmische Höhepunkte der vergangenen sechs Jahrzehnte noch einmal zu sehen sein. Die nach der aufwändigen Restaurierung nun fast vollständige Fassung des Stummfilm-Klassikers "Metropolis" erlebt ihre Uraufführung und auch ein Dokumentarfilm über die Festival-Geschichte wird seine Premiere in Berlin feiern: "Die Spur der Bären".
Große Persönlichkeiten, die bleibende Spuren hinterlassen haben, werden mit Ehrenbären belohnt, sorgsam paritätisch verteilt. Der gefeierten Fassbinder-Schauspielerin Hanna Schygulla aus der alten Bundesrepublik ist eine Hommage gewidmet, ebenso wie dem glänzenden Drehbuchautor aus der DDR, Wolfgang Kohlhaase. Ein besonderes Bonbon bieten die Festivalmacher den Besuchern des Wettbewerbs. Vor jedem Film gibt es kleine, liebevoll geschnittene Einspieler mit Raritäten aus der Festivalgeschichte und der Berichterstattung darüber: bewegende, glanzvolle, aber auch komische Momente.
Es spricht für die Publikumsfreundlichkeit der Berlinale, dass nicht einfach eine festliche Gala die andere jagt. Stattdessen haben die Filmfestspiele der ganzen Stadt ein Geschenk gemacht: Wichtige Filme laufen diesmal nicht nur in den großen, gewohnten Festival-Filmtheatern, sondern auch in den kleinen Kiezkinos, die sich täglich mit vielen Schwierigkeiten und der harten Konkurrenz durch die Multiplexe herumzuschlagen haben. Doch bei allen Festlichkeiten, Ehrungen und Retrospektiven wird dies auch ein ganz normales Filmfestival sein, dass seinem Anspruch, zu den wichtigsten der Welt zu gehören, gewissermaßen im Alltag des Wettbewerbs und der Nebenreihen gerecht werden muss. Mit einigen großen Namen kann der Wettbewerb, das Kernstück des Berlinale-Programms, aufwarten. Und viele von ihnen sind eng mit der Festivalgeschichte verbunden: Roman Polanskis Polit-Thriller "Der Ghostwriter" mit Pierce Brosnan und Ewan McGregor läuft in der Konkurrenz. Polanski erhielt 1966 einen Goldenen Bären für "Wenn Katelbach kommt".
Besonders eindrucksvoll präsentieren sich in diesem Jahr die Sektionen Generationen und Kplus, also das Programm für Kinder und Jugendliche, in dem es so viele problembewusste, formal spannende und sehr berührende Filme gibt, dass man Erwachsenen nur raten kann, möglichst viel dort zu sehen. Der Eröffnungsfilm der Generationen "Road Movie" aus Indien beschreibt ein rollendes Filmtheater, das Träume in entlegene Winkel bringt. Es ist somit eine schöne Hommage an das Kino überhaupt – wie passend zum großen Fest in Berlin.
Knut Elstermann
Eingestellt am Mittwoch, 10. Februar 2010, um 17:11 Uhr von radioeins in News |




